Celts

Kelten… keltisch… Klar – mit diesem Begriff anfangen können wir alle etwas, sind sie doch im täglichen Sprachgebrauch gar nicht mal so selten.  Man denke nur einmal an Celtic Glasgow oder die Boston Celtics… Was verbirgt sich allerdings genau dahinter? Häufig werden  hiermit  eher romantisch verklärte Vorstellungen assoziiert, die nur wenig mit der Realität  zu tun haben. Denn wem drängen sich nicht Bilder heidnischer Zeremonien bei Vollmond, weiser Druiden oder wilder Krieger auf? Vielleicht können die nachfolgenden Ausführungen helfen zu verstehen, wie diese Bilder entstanden sind und wie die „Kelten“ wirklich lebten…

Erste Spuren

Soweit eine Zuordnung zur keltischen Kultur möglich ist, lassen sich die ersten Spuren auf ca. 1.000 v. Chr. zurückdatieren. So wurden hölzerne Grabkammern entdeckt, die eine Abgrenzung zur vorangegangenen „Urnenfelderkultur“, welche zum Beispiel ihre Toten verbrannte und dann bestattete, zulassen. Auch zeigen Grabbeigaben ein anderes Verhaltensmuster als das der Kulturen der späten Bronzezeit. Leider existieren in Relation zu der Bedeutung dieser Kultur nur wenige verlässliche Daten. Verwunderlich ist dies nicht, bedenkt man, dass das Wissen jahrhundertelang nur mündlich überliefert wurde, vieles mitunter verloren ging. Erst im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde auf eine Schrift zurückgegriffen, die ein halbwegs sicheres Überliefern ermöglichte. Des weiteren beruhen viele Aussagen aus der früheren Zeit auf Ausführungen anderer Völker, die mit den „Kelten“ Krieg führten. Mitunter müssen solche Aussagen einer recht kritischen Überprüfung unterzogen werden. Mehr hierzu unter Zeugnisse… 

„Kelten“

Bevor man die Geschichte betrachtet, erscheint es ratsam, zunächst den Begriff „Kelten“ etwas näher zu beleuchten. Dieser Begriff  geht auf das griechische Keltoi bzw. das lateinische Celtae zurück, was soviel wie „Die Tapferen“ aber auch „Die Erhabenen“ bedeutet. Als Bezeichnung für eine Kultur fand es jedoch erst ab dem 17. Jahrhundert Verwendung, nachdem die Sprachforscher George Buchanan und Edward Lhuyd Gemeinsamkeiten zwischen den alten keltischen Sprachen und dem Gälischen, Bretonischen, Kornischen, Kymrischen, Irischen, dem Manx (gesprochen auf der Isle of Man), aber auch einigen französischen, spanischen und italienischen Dialekten entdeckt hatten. Möglich wurde dies nur durch eine Romantisierung im 18. Jahrhundert, als das Interesse an einer bis dato wenig bekannten Kultur und eine wahre Manie für alles Keltische entstand.

Man darf die „Kelten“ aber nicht als ein einheitliches Volk verstehen – Einen  einheitlichen Staat hat es niemals gegeben. Die Zugehörigkeit zur keltischen Kultur zeichnet sich vielmehr durch eine annähernd ähnliche Sprache sowie kulturelle Gemeinsamkeiten aus. Aber wo lebten die Kelten überhaupt?

Lebensraum

Die Ausführungen im vorangegangenen Abschnitt haben bereits angedeutet, dass man den Lebensraum der „Kelten“ nur äusserst schwierig eingrenzen kann. Ausgrabungen belegen jedoch eine Verbreitung der „Kelten“ im  heutigen Westdeutschland, Frankreich, Spanien, Italien, den britischen Inseln sowie Kleinasien. Während die keltische Kultur auf dem europäischen Festland durch Kriege teils unterging, teils sich mit anderen Kulturen vermischte, konnte sie auf den britischen Inseln aufgrund der räumlichen Trennung länger fortbestehen.

Zeugnisse

Da wie bereits eingangs erwähnt das Wissen um die keltische Kultur zunächst nur mündlich überliefert wurde, liegen überwiegend Niederschriften anderer Völker vor. Da es sich hierbei zum grossen Teil um den Kelten feindlich gesinnte Völker – vor allem Römer – handelte, sind diese  Niederschriften eher einseitig. Entweder wurden aus dem Verhalten des „Gegners“ falsche Rückschlüsse gezogen, oder man stellte ihn gleich als möglichst primitiv, barbarisch… einfach anders… dar.

Mit dieser recht simplen Taktik war es möglich, die Bereitschaft zu einem Krieg zu fördern, Mitleid zu vermeiden oder überhaupt die moralische  Berechtigung für einen Krieg zu erhalten, der in Ländern geführt wurde, von denen man nicht allzu viel wusste. Durch diese Art der Berichterstattung musste geradezu der Eindruck entstehen, man tue dieser Kultur durch die Unterwerfung noch einen Gefallen. Die frühesten Niederschriften der alten Sagen und Mythen erfolgten im 8. Jahrhundert durch irische Mönche, die älteste noch existierende Sammlung stammt aus dem 12. Jahrhundert – das Lebor na h-uidre.

Zwar unterscheidet sich diese Sammlung von den Beobachtungen der Römer und Griechen nur unwesentlich, stellt hierbei aber auch klar, dass Römer und Griechen falsche Rückschlüsse auf die Motive der Kelten zogen. Das heutige Wissen um die Kelten beruht jedoch nicht nur auf diesen Niederschriften, sondern auch auf einer akribischen Archäologie. Mehr hierzu unter Funde

Funde

Mit Entstehung der Romantisierung für alles Keltische begann auch ein Run auf alte Kult- oder Begräbnisstätten. Auf der zugegebenermassen dilettantischen Suche nach Artefakten wurde ein Grossteil dieser Stätten geplündert; viele wichtige Spuren der Kelten gingen für immer verloren. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine keltische Archäologie, die auch diesen Namen verdient.

Hallstatt

Im Jahre 1846 entdeckte der Bergmeister Georg Ramsauer im österreichischen  Hallstatt ein riesiges Gräberfeld. Gefördert durch den Leiter des kaiserlichen Münzen- und Antikenkabinetts in Wien, Baron von Sacken, konnte Ramsauer nahezu 1.000 Skelette sowie eine Vielzahl bronzener, eiserner und goldener Artefakte, Waffen und Werkzeuge freilegen. Die ältesten Funde wurden auf ca. 1.000 v. Chr. datiert. Die Tatsache, dass Ramsauer sowohl bronzene wie auch eiserne Reliquien freilegte, belegt, dass Hallstatt nicht nur eine Momentaufnahme darstellt, sondern vielmehr die Entwicklung einer Population von der Bronze- zur Eisenzeit.

Bedingt durch die Vielzahl und -falt der Funde setzte sich im Laufe der Jahre allmählich der Begriff „Hallstattkultur“ oder „Hallstattmensch“ als Synonym für die führende eisenzeitliche Kultur in Europa durch. Bis man die enge Verwandtschaft der Westhallstattkultur mit den früheren Kelten  erkannte, sollten aber noch einige Jahre vergehen…

 La Tene

Nur wenige Jahre nach Entdeckung der „Hallstattkultur“ – genauer gesagt im Jahre 1857 – wurde in der Schweiz eine weitere gigantische Entdeckung gemacht. Diesmal traf die Ehre den wohlhabenden Hobby-Archäologen Friedrich Schwab. Im Gegensatz zur Vielzahl seiner Mitstreiter hatte sich Schwab jedoch darauf konzentriert, Gewässer zu durchkämmen. Begünstigt durch ein starkes Absinken des Wasserspiegels des Neuenburger Sees wurden an einer „La Tene“ (Untiefe) genannten Stelle aus dem Wasser ragende Pfähle sichtbar. Schwab konzentrierte die Suche daraufhin auf die Flussmündung des Flusses Thiéle in den Neuenburger See. Offensichtlich ein weiser Entschluss, konnten doch in den folgenden Jahren mehrere tausend Artefakte, die Überreste von  Gebäuden sowie zweier Brücken entdeckt werden.

Über die Funktion von „La Tene“ existieren bis heute mehrere Theorien. Diese Theorien reichen dabei von Siedlung über handwerkliches Zentrum bis zu Kultstätte. Für die Annahme einer Kultstätte sprechen die hohe Anzahl gefundener Artefakte, die als Opfergaben gedient haben könnten sowie Skelette, die den Schluss zulassen, dass Menschenopfer gebracht wurden.

Insbesondere die in dieser Gegend gefundenen Schwerter samt Scheiden erregten das Interesse des damaligen Präsidenten der Antiquarischen Gesellschaft Zürich, Ferdinand Keller. Im Gegensatz zu den Schwertern und Scheiden der „Hallstattkultur“ zeichneten sich die „La-Tene-Schwerter“ durch eine lange und schmale Klinge aus, während die Scheiden eine sorgfältigere und kompliziertere Verzierung aufwiesen. Keller ordnete diese Waffen einer eisenzeitlichen Kultur zu; anderen Forschern zufolge waren diese eher römischen oder etruskischen Ursprungs. Für die Klärung sorgte Napoleon III., dessen archäologische Forschungen eine Datierung der „La-Tene-Schwerter“ auf das 1. Jahrhundert v. Chr. erlaubten. Die Unterschiede zur „Hallstattkultur“ erlaubten die Zuordnung der Funde bei „La-Tene“ zu einer eigenen Kultur – der „La-Tene-Kultur“.

Vix

Eine bedeutende Entdeckung gelang dem Archäologen René Joffroy in Burgund. Im Inneren eines Hügelgrabes entdeckte er im Jahre 1953 neben zahlreichen gut erhaltenen Schmuckstücken den Leichnam einer Frau, aufgebahrt auf einem hölzernen Wagen, dessen Räder abmontiert waren. Die Art der Bestattung belegte, dass die keltische Kultur nicht streng patriarchalisch ausgerichtet war. Dieses wird auch durch klassische Schriften unterstützt, nach denen kein Gesetz existiert, „das die weibliche Linie von der Thronfolge oder dem Oberbefehl über Armeen“ ausschliesst. Eine weitere faszinierende Grabbeigabe war ein riesiger bronzener Krug, der eindeutig griechischen Ursprungs war. Joffroy kam zu dem Schluss, dass die Nähe Vix´zu britischen Zinnminen einen florierenden Handel ermöglichte.

Danebury

Barry Cuncliffe begann 1969 mit Ausgrabungen einer Hügelfestung in Wessex. Nachdem diese von drei ringartig angelegten Wällen umgebene Festung freigelegt worden war, wurden im Inneren Überreste von Vorratskammern, handwerklicher Produkte sowie organischer Abfälle entdeckt. Weitere Forschungen ergaben, dass Danebury eine Vielzahl von Wohngebäuden. Werkstätten etc. sowie eine Art Tempel beherbergt hatte. Die Anordnung dieser Festung belegte zwischenzeitlich aufgekommene Vermutungen, wonach Festungen nicht nur Rückzugsgebiete im Falle eines gegnerischen Angriffes waren, sondern ständige Wohngebiete.

Hochdorf

Im Jahre 1978 entdeckte der Archäologe Jörg Biel nach einem Hinweis aus der Bevölkerung ein Hügelgrab aus der Eisenzeit. Da das seinerzeit errichtete Hügelgrab mittlerweile eingestürzt war, war auch ein Grossteil der Grabbeigaben völlig zerstört. Gleichwohl liess sich anhand der noch erhaltenen Fundstücke die Errichtung des Grabes auf das Jahr 550 v. Chr. datieren.

Der zur letzten Ruhe gebettete Leichnam lag auf einer bronzenen Liege und war mit sehr viel Schmuck versehen. Neben dem Leichnam fand man einen reich verzierten Dolch samt Scheide. Durch Überreste eines seidenen Umhangs sowie den Reichtum der Grabbeigaben gelangte Biel zu der Überzeugung, dass er das Grab eines keltischen Fürsten entdeckt hatte, der zu einer Zeit lebte, als die keltische Kultur ihre Hochzeit hatte. Das Grab enthielt ferner Jagdutensilien, Bronzegeschirr sowie einen vierrädrigen Wagen. Da nach dem Glauben der Kelten das Jenseits weitestgehend dem Diesseits entsprach, sollte durch die Grabbeigaben dem Toten ein  angenehmes „Leben“ nach seinem Tode ermöglicht werden.

Welche Schlüsse können aus diesen Funden gezogen werden? Wie sah das Leben der Kelten aus? Mehr hierzu unter Das Leben der Kelten

Das Leben der Kelten

Das Leben der Kelten sah nicht so aus, wie sich manche dies vorstellen mögen. Auch wenn heidnische Rituale dazu gehörten und Druiden in den einzelnen Stämmen eine wichtige Funktion besassen, es sich ferner um kriegerische Menschen handelte, so waren die Kelten keine Wilden. Zwar wurden Kelten als Barbaren bezeichnet, was im heutigen Sprachgebrauch mit Wilden gleichgesetzt wird, tatsächlich bedeutete „Barbar“ ursprünglich nichts anderes als der „nicht Griechisch Sprechende“.

In der Realität war das Leben der Kelten von Ackerbau, Viehzucht und Handel geprägt. So liegen viele archäologische Fundstätten an ehemaligen Handelsstrassen, und die Funde bestätigen auch den ausgedehnten Handel mit anderen Völkern.

Eigentlich bestanden somit hervorragende Aussichten für einen langen Fortbestand dieser Kultur. Allerdings fehlte hierfür die Homogenität. Vielmehr führten die Stämme sogar untereinander Krieg, was es den Römern erleichterte, einen derart geschwächten Gegner zu vertreiben – auch wenn es Jahrhunderte dauern sollte…