History

Erste Lebenszeichen:

Die frühesten Zeugnisse einer „schottischen“ Kultur - obwohl es zu dem Zeitpunkt ein „schottisch“ noch nicht gab - gehen bereits auf das 5. Jahrtausend vor Chr. zurück, als die Orkneys und die Shetlands von England und Irland aus besiedelt wurden. Im Gegensatz zu den damals noch dicht bewaldeten Highlands boten die dem Festland vorgelagerten Inseln einen fruchtbaren Boden und Fisch- sowie Wildreichtum. Einen Eindruck kann man beim Doppelhaus von Knap of Howar, beim Dorf Skara Brae (beide Orkneys) oder in der Siedlung Jarlshof auf den Shetlands gewinnen.

Weitere Zeugen einer vorchristlichen Kultur sind die „Cairns“ genannten Hügelgräber. Diese Hügelgräber befinden sich unter anderem auf den Orkneys (Knowe of Howar, Midhowe, Blackhammer) aber auch in der Nähe von Inverness (Clava Cairns).

Clava Cairns # 1
Clava Cairns # 2

Weitaus bekannter als die frühzeitlichen Siedlungen und Hügelgräber sind jedoch die Menhire. Bekanntester Steinkreis dürfte Stonehenge bei Salisbury sein; der größte Menhir Schottlands befindet sich auf der Insel Lewis („Callanish“). Als gesichert gilt, dass diese Kultstätten der Sonnen- und Mondobservation dienten. Wie diese gewaltigen Bauwerke jedoch errichtet wurden, gibt immer noch Rätsel auf.

Callanish Standing Stones

Im 1.und 2. Jahrhundert n. Chr. versuchen die Römer, Schottland zu besiedeln. Es bleibt beim Versuch - Was bleibt, sind der Hadrianswall und der Name „Caledonia“ für Schottland. Unter dem Druck der Pikten, Skoten und Sachsen ziehen sich die Römer gegen Ende des 4. Jahrhunderts zurück.

Dem Einfluss der ab dem 5. Jahrhundert vordringenden Kelten ist die Errichtung der sogenannten Hill Forts sowie Brochs zu verdanken. Bei den Hill Forts handelt es sich um mächtige Ringwälle auf Bergkuppen, wie zum Beispiel das von den Skoten um 500 errichtete Dunnat Fort. Während diese Ringwälle auch auf dem europäischen Festland vorkommen, handelt es sich bei den Brochs um eine Besonderheit Schottlands. Brochs sind grundsätzlich rund und zeichnen sich durch eine 4 bis 5 Meter dicke Mauer aus, die wiederum einen bis zu 12 Meter großen Innenraum umfasst. Die Perfektion dieser ohne Mörtel errichteten Befestigungsanlagen lässt sich unter anderem daran erkennen, dass der Broch von Mousa auf den Shetlands bis heute fast in voller Höhe erhalten blieb. Zu den grössten Brochs auf dem schottischen Festland zählen der Dun Telve Broch und der Dun Troddan Broch.

Dun Telve Broch # 1
Dun Telve Broch # 2

Die Pikten machen es den Historikern schwer, näheres über sie herauszufinden, wurden bis jetzt doch fast keine Gebrauchsgegenstände ihrer Zivilisation gefunden, die Rückschlüsse auf ihr Leben zuliessen. Umso faszinierender sind jedoch die in grosser Zahl gefundenen Reliefsteine, wie sie für die westliche Kultur wohl einzigartig sein dürften. Das Abstrakte dieser Reliefsteine (Tierdarstellungen sowie Kampf- und Jagdszenen) geben Historikern jedoch nach wie vor Rätsel über Sinn und Zweck dieser Steine auf.

Gegen Mitte des 6. Jahrhunderts begann die Christianisierung „Schottlands“ durch den aus Irland stammenden Heiligen Columban. Ausgangspunkt war die Insel Iona. Auf einigen der im Westen gelegenen Inseln sowie auf den Orkneys konnten Fundamente sowie Reste frühzeitlicher Kirchengebäude entdeckt werden. Mit zu den frühesten Zeugnissen - was Bauwerke angeht - dürfte das Priorat von Restenneth sein, bei dem Teile bereits aus dem 8. Jahrhundert stammen.

 

„Schottland“:

Um den Wikingerübergriffen zu trotzen, schließen sich Pikten und Skoten im Jahre 843 unter Kenneth McAlpin zum Königreich Alba mit der Hauptstadt Scone zusammen. Der Vereinigungsprozeß wird unter der Regentschaft Malcolm II. (House of Alpin) zu Beginn des 11. Jahrhunderts abgeschlossen.

 

Mittelalter:

Trotz des Vereinigungsprozesses bleibt Schottland gespalten; während sich der feudalistische Südosten England zuwendet, bleibt der gälische Nordwesten rebellisch. Nachdem die als schottische Königin anerkannte Margaret, Maid of Norway, im Jahre 1290 verstirbt, entbrennt ein jahrelanger Streit um die Krone Schottlands. Dieser Krieg endet erst mit der Ernennung John Balliols durch den englischen König Edward I. Hierfür leistet John Balliol den Lehnseid.. Nachdem John Balliol abgedankt hat, übernimmt Edward Balliol 1296 die Herrschaft, verwüstet Schottland in einem mehrmonatigen Feldzug und entführt den Krönungsstein, den Stone of Scone, nach London. Dies führt zu Schottlands „Auld Alliance“ mit Frankreich.

Stone of Scone

William Wallace, der durch den Film „Braveheart“ wohl bekannteste Widerstandskämpfer Schottlands, organisiert eine Revolte gegen England, wird jedoch in der Schlacht bei Falkirk 1298 geschlagen. Nach seiner Gefangennahme wird er im Jahre 1305 in London brutal hingerichtet.

Robert I., the Bruce führt den Widerstand fort und erringt schließlich in der Schlacht bei Bannockburn 1314 einen historischen Sieg über die Engländer. Im Jahre 1320 unterzeichnen Kirchenmänner und schottische Adlige die „Declaration of Arbroath“, durch die englische und päpstliche Einmischung zurückgewiesen und die schottische Unabhängigkeit entschieden wird; gleichzeitig wird die Freiheit der Schotten gegenüber ihrem König betont. Bei seinem Tode im Jahre 1329 hinterlässt Robert I., the Bruce ein stabiles Königreich.

Robert I., the Bruce

Obwohl durch die Unabhängigkeitskriege ein starkes schottisches Nationalgefühl entsteht, bleibt Schottland gespalten. Im Osten zwischen Edinburgh, Aberdeen und Stirling der eher wohlhabende Landesteil der Lowlands, im Norden und zentralen Hochland eher keltische Herrschaftsstrukturen und schließlich das westliche Hochland sowie die Hebriden, vom Clan-System geprägt und sehr freiheitsbewusst.

 

Bündnisse & Absolutismus:

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts geht James IV. gegen die rebellischen Hochland-Clans vor, um die Monarchie zu stärken. 1494 schliesst er mit Henry VII. den „Ewigen Frieden“; zur Bekräftigung desselben heiratet James IV. 1503 die Tochter Henry VII., Margaret Tudor.

Mit der Krönung Henry VIII. im Jahre 1509 betritt einer der schillerndsten Könige Grossbritanniens die Bühne. Die Beziehungen Schottlands zu England verschlechtern sich. Schottland muß sich zwischen einem Bündnis mit England, dem Papst, Spanien, Venedig und Frankreich auf der anderen Seite entscheiden. James IV. entscheidet sich für die „Auld Alliance“, zieht gegen ein englisches Heer und erleidet 1513 in der Schlacht von Flodden Field eine vernichtende Niederlage… 12.000 Soldaten sterben auf Seite der Schotten.

Sein Nachfolger, James V., verfolgt eine ähnliche Politik. Er geht rigoros gegen die Clans vor und bekräftigt durch seine Heirat mit Marie de Guise die „Auld Alliance“. James V. führt Krieg gegen Henry VIII., unterliegt bei Solway Moss und stirbt im Dezember.

Der Thron geht an Mary Stewart (Queen of Scots), eine Großnichte Henry VIII., die zu diesem Zeitpunkt gerade mal eine Woche alt ist. De facto wird die Regentschaft vom Earl of Arran und Marie de Guise ausgeübt. Mary wird mit dem Dauphin von Frankreich vermählt; nach dessen Tode kehrt sie im Jahre 1561 nach Schottland zurück. Im Jahre 1565 heiratet sie Lord Darnley und nach dessen Ermordung den Earl of Bothwell. Durch den Adel zum Abdanken gezwungen sowie nach einer Niederlage gegen den Regenten Moray flieht sie nach England, um Hilfe durch Elizabeth zu erbitten. Diese lässt sie jedoch gefangen nehmen und 1587 hinrichten. Ihr Sohn, James VI., schickt lediglich eine Protestnote…

Mary Queen of Scots
(Picture from keidahl.terranhost.com)

James VI., seit 1567 König von Schottland, wird nach dem Tode Elizabeth I. im Jahre 1603 auch König von England als James I. (Act of Union). Wie seine Vorgänger geht auch James der VI. rücksichtslos gegen die Clans vor.

Nach seinem Tode erfährt Schottland durch Charles I. und Charles II. eine absolutistische Prägung, die sich u.a. in der Entmachtung des Parlamentes und der General Assembly ausdrückt. Im Jahre 1650 fällt Oliver Cromwell in Schottland ein, behandelt und verwaltet es als „Lord Protector“ wie ein erobertes Land. Der im Jahre 1649 zum König ausgerufene Charles II. flieht, wird aber 1660 zurückgerufen. Ermächtigt durch das Parlament herrscht Charles II. ab 1661 und hinterlässt bei seinem Tode 1685 ein absolutistisch durchorganisiertes Königreich.

 

United Kingdom:

Charles´Nachfolger, James VII., geht nach der “Glorious Revolution” in England ins Exil. Die Krone wird daraufhin William von Oranje angeboten. U.a. die royalistisch eingestellten Jakobiten rebellieren gegen William, werden jedoch unter Führung James´VII. in der Battle of the Boyne geschlagen. Ein Generaledikt Williams garantiert allen beteiligten Clans die Amnestie, sofern sie vor dem 01. Januar 1692 den Eid auf William schwören. Die MacDonalds of Glencoe versäumen diese Frist. Daraufhin erhalten die Campbells den königlichen Auftrag, alle männlichen MacDonalds zu ermorden. Obwohl beide Clans eher verfeindet sind, gewähren die MacDonalds den hierum bittenden Campbells Unterkunft. In der Nacht missbrauchen diese das den Highlandern heilige Gastrecht und töten 37 Mitglieder des Clan Campbell, 300 Angehörige können sich in die Berge retten. Dieses Massaker ist im Bewusstsein Schottlands bis heute unvergessen…

Am 01. Mai 1707 tritt die Union of Parliaments in Kraft - das United Kingdom ist geboren. Schottland fühlt sich im neu gegründeten Parlament jedoch nicht ausreichend repräsentiert (Vernachlässigung schottischer Wirtschaftsinteressen, „Toleration Act“), es entstehen erneut Spannungen.

 

Jacobites & Clearances:

Der Sohn James VII., Charles Edward Stewart („Bonnie Prince Charlie“), betritt am 23. Juli 1745 im Alter von 23 Jahren das erste Mal schottischen Boden - mit der Absicht, seinen Vater zu inthronisieren. An diesem Tag soll MacDonald of Boisdale zu ihm „Fahr nach Hause, Prinz“ gesagt haben, worauf dieser erwiderte „Ich bin nach Hause gekommen, Sir“. Die Voraussetzungen für eine Revolution sind also denkbar schlecht.

Charles Edward Stewart

Charles Edward Stewart war nicht gerade mit der Kunst der Kriegsführung vertraut, und die Ladung Waffen, die er zum Gelingen seines Vorhabens aus Frankreich hatte einschiffen wollen, waren einem Seegefecht zum Opfer gefallen. Gleichwohl können sich insbesondere jüngere Hochländer Charles Edwards Enthusiasmus nicht entziehen, und so gelingt es dem „Young Pretender“, eine Armee aus Hochländern um sich zu scharen.

Ein erstes Zusammentreffen dieser Hochland-Armee mit dem verhassten Feind, unter Führung von General Cope, im Moor von Gledsmuir wird zu einem Triumph für Charles Edward. Dieser macht sich geschickt die natürlichen Gegebenheiten des Moores zu Nutze und marschiert in der Nacht leise auf den Gegner zu. Plötzlich sehen sich die Hannoveraner 2.000 auf sie zustürmenden Schotten gegenüber, von denen viele ihr Gepäck und ihre Plaids weggeworfen hatten. Eine Horde nackter Hochländer mit gezückten Schwertern und infernalischem Gebrüll - dass den englischen Truppen die Moral verlustig ging, kann sich wohl jeder gut vorstellen.

Es folgen weitere Siege bei Edinburgh und Falkirk, und die Schotten können sogar bis Derby vordringen. Allerdings haben die Kämpfe und die langen Märsche über Hunderte von Meilen sowohl an der Moral als auch an der Konstitution gezehrt. Viele Hochländer hatten ihre Höfe verlassen, die nun niemand mehr versorgt. Hinzu kommt der Gedanke an ein scheinbar übermächtiges Heer Englands, welches besser ausgerüstet und ausgebildet ist. Das Heer Charles Edwards verfällt zusehends, so dass sich dieser von den älteren Hochländern zu einem Rückzug überreden lässt. Auf dem Rückweg wird das schottische Heer jedoch verfolgt, und am 16. Januar 1746 kommt es im Drumossie Moor bei Culloden zur letzten Schlacht. Die Jakobiter werden - geschwächt durch den langen Rückmarsch - vernichtend geschlagen. Ihr Gegner, der Duke von Cumberland, lässt die Highlander im Anschluss an die Schlacht gnadenlos verfolgen und töten. Aufgrund seiner brutalen Vorgehensweise erwirbt sich der Duke von Cumberland den unrühmlichen Beinamen "Butcher". Unterstützt von loyalen Gefolgsleuten kann Bonnie Prince jedoch fliehen. Seine endgültige Rettung verdankt er Flora MacDonald, einem Mädchen von der Hebrideninsel Skye. Ausgestattet mit einem falschen Pass ausgestellt auf den Namen einer Magd gelangt Bonnie Prince Charlie nach Frankreich, ohne jemals zurückzukehren. Flora MacDonald zu Ehren steht eine Statue vor Inverness Castle.

Battlefield

Jacobite Army Line

Das Battlefield kann heutzutage besucht werden. Während der Rundgang über das eigentliche Schlachtfeld kostenlos ist, schlägt der Besuch einer audiovisuellen Show mit 10 GBP zu Buche.

Nach dem gewaltsamen Niederschlag der „Rebellion“ werden als Folge Kilt und Dudelsack verboten. Eine Lockerung dieses Verbots erfolgt erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

Die folgenden 50 Jahre sind geprägt von Reformen sowie der Industrialisierung. Während der Süden Schottlands u.a. von der Entwicklung der modernen Landwirtschaft und der Textilindustrie profitiert, verbleibt den Bewohnern des Hochlandes häufig nur die Saisonarbeit im Süden oder der Eintritt in die Armee.

Verschärft wird die Situation durch die Clanchiefs, die zur Aufrechterhaltung ihres aufwändigen Lebensstils ihren Privatbesitz zur Schafszucht nutzen wollen. Hierzu werden ganze Landstriche entvölkert - die Highland Clearances haben begonnen… Die Bewohner des Hochlandes werden an die Küste umgesiedelt oder sogar zur Auswanderung gezwungen. Gestützt von offizieller Politik erfolgen diese Vertreibungen mit äußerster Härte; mitunter wird den Familien das Dach über dem Kopf angezündet… Ihren Höhepunkt erreichen die Clearances im Jahre 1814, dem „Year of the Burning“.

In Glasgow entsteht im Jahre 1837 die Arbeiterbewegung „Chartist Movement“, welche sich für ein allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht, eine Parlamentsreform und jährliche Parlamentsreformen einsetzt.

 

Viktorianismus:

Erst unter George IV. und insbesondere Queen Victoria entsteht ein „romantisierter Hochlandkult“. In den folgenden Jahren trägt der „Heimatdichter“ Sir Walter Scott zur Verklärung bei.

 

Modernes Schottland:

Ab dem Jahre 1884/1885 wird Schottland seinem Bevölkerungsanteil entsprechend im Parlament repräsentiert.

Gleichzeitig löst die Schwerindustrie die Textilindustrie als wichtigsten Wirtschaftszweig ab. Kohle, Stahl, Eisenbahnen, Maschinenbau und v.a. Schiffsbau prägen die Wirtschaft.

Im Norden Grossbritanniens entsteht die Scottish National Party im Jahre 1928, die die Unabhängigkeit und Autonomie Schottlands verfolgt.

Das Londoner Parlament beschliesst im Jahre 1978 eine Teilautonomie Schottlands. Ein Jahr später fordert die Scottish National Party die Unabhängigkeit Schottlands. Die erforderliche Mehrheit von 40% kommt jedoch nicht zustande.

Erst im Jahre 1996 gibt England den Krönungsstein, den „Stone of Scone“ an Schottland zurück. Ein Jahr später sprechen sich 75% der Schotten für ein eigenes schottisches Parlament aus. Das entsprechende Referendum wird durch den englischen Premierminister Tony Blair ermöglicht. Die erste Wahl dieses Regionalparlaments entscheidet im Mai 1999 die Labour Party unter Donald Dewar für sich.

Nach dessen Tode im Jahr 2000 übernimmt Henry McLeish das Amt.

Donald Dewar