Land & Folks

Beim Gedanken an Schottland dürften sich zunächst Bilder von Kilt, Tartan, Whisky und Dudelsack aufdrängen. Auch wenn diese Dinge vor allem in touristisch geprägten Regionen noch präsent sind, sind dies nur einige Facetten dieses Landes. Da ich dem Kilt, dem Tartan, dem Whisky und dem Dudelsack bereits ein eigenes Kapitel gegönnt habe, sollen hier weitere wissenswerte Dinge ihren Platz finden.

Gälisch:

Insbesondere in den Northern Highlands sowie auf den Western Isles wird man immer noch mit dem Gälischen konfrontiert. Sein Talent, Gälisch zu sprechen, wird man in dieser Gegenden an Verkehrszeichen testen können.

Roundabout

Abgesehen von einigen Ortsnamen wird man nicht wirklich schnell dahinterkommen, welche Stadt sich hinter der gälischen Bezeichnung verbirgt. Als Beleg hierfür mag nachfolgende kleine Auflistung dienen.

Inbhir Nis Inverness
Inbhir Moireasdan Invermoriston
An Gearasdan Fort William
A'Ghaidhealtachd Die Highlands
Port Righ Portree

Das Gälische musste jedoch in den letzten Jahren herbe Rückschläge erleben. Zum einen stellt die Aussprache ungeahnte Herausforderungen vor allem an Kontinentaleuropäer, zum anderen leiden die Highlands und die Islands unter starken Abwnaderungsbewegungen gerade der jüngeren Bewohner in südliche Landesteile, so dass die Sprache auszusterben droht. Um dem entgegen zu wirken, wird an einigen Schulen in den letzten Jahren verstärkt Gälisch unterrichtet. Was aber nach wie vor die schottische Kultur auszeichnet, ist ein starkes Identifikationsgefühl.

Artwork by Rupert Besley

Highland Games

Den Ursprung dieser Games festzulegen, fällt sehr schwer. Bereits im 11. Jahrhundert veranstaltete Malcolm III. einen Wettlauf von Braemar nach Creag Choinnich, um den besten Footrunner zu finden. Gleichzeitig fanden jedoch auf Geheiß der Clan Chiefs Wettkämpfe statt, in denen die Teilnehmer ihre Kraft, Geschicklichkeit und Geschwindigkeit unter Beweis stellen mussten. Ziel dieser Wettkämpfe war, die schnellsten und stärksten Männer der Umgebung zu rekrutieren.

Die in dieser Zeit stattfindenden Highland Games verdanken ihre Wiederbelebung unter anderem Queen Viktoria, die - inspiriert von den Romanen Sir Walter Scotts - im Jahre 1848 die Spiele in Bramar besuchte. Wer in den Sommermonaten Schottland besucht, wird die Gelegenheit haben, Sportarten wie Tossing the Caber, Putting the Stone oder Throwing the Hammer beizuwohnen.

Tossing the Caber

Beim Tossing the Caber nimmt der Sportler einen Baumstamm auf und schleudert diesen nach kurzem Anlauf in gerader Linie von sich fort. Idealerweise dreht sich der Baumstamm um 180° und fällt dann in gerader Linie vom Werfer aus gesehen hin. Zur Nachahmung nicht unbedingt empfohlen!

Das Wetter:

Typische Wettervorhersage in Schottland: „Ob es heute regnet, hängt vom Wetter ab.“ Was sich zunächst spöttisch anhört, kommt der Wahrheit ziemlich nahe. Ursache hierfür ist das maritim geprägte Klima. In Schottland liegt kein Ort weiter als 80 Kilometer vond ere Küste entfernt. Wer sich von solchen Dingen nicht abschrecken lässt, sollte allerdings wissen, daß Schotten eine Unmenge an Bezeichnungen für den Regen kennen. Hier eine kleine Vokabelhilfe:

Driech leichter konstanter Regen, hält sehr lange an
Boch heftiger konstanter Regen, hält sehr lange an
Pissin doon die schwerste Art von Regen
Drookit Regen bei dem man bis auf die Knochen nass wird
Plowtery leichter Regen mit grossen Tropfen
Leaskin schwerer Regen mit grossen Tropfen
Drizzle Nieselregen

Swelter bezeichnet übrigens eine eigentlich gewünschte Hitze, die aber zu lange anhält.

Der schottische Geiz:

Zum sprichwörtlichen Geiz der Schotten muss ich hier mal ein Wort verlieren. Tatsächlich sind die Schotten nämlich alles andere als geizig - vielmehr habe ich bisher keinen gastfreundlicheren und hilfsbereiteren Menschenschlag kennen gelernt. Ein Schotte lässt es sich nicht nehmen, einen Besucher einzuladen; und wenn man nicht gerade einen Single Malt erhält, sollte man nicht vorschnell urteilen - meinen Single Malt serviere ich schließlich auch nur guten Freunden…

Das Vorurteil des berühmten schottischen Geizes dürfte seinen Ursprung im Mittelalter haben, als viele Familien wirtschaftlich nicht gerade auf Rosen gebettet waren und demzufolge sparsam mit ihren Vorräten umgehen mussten.

Cuisine:

Allein beim Gedanken an die britische Küche werden sich manchem die Nackenhaare aufstellen. Denn abgesehen von einigen Gerichten, bei denen auch Gourmets das Wasser im Mund zusammenläuft, gehören auch traditionelle Speisen auf den Esstisch. Das bekannteste traditionelle Gericht dürfte Haggis sein. Hierbei handelt es sich um Schafsinnereien (hauptsächlich Leber und Herz), die mit Hafermehl vermengt, gepfeffert und gesalzen und anschliessend in einem Schafsmagen gekocht werden. Traditionell wird Haggis mit Neeps ´n Tatties (Steckrüben und Kartoffelbrei) serviert. Am 25. Januar - der Burns Night - wird Haggis im Rahmen einer besonderen Zeremonie dargereicht. Der Küchenchef trägt, begleitet von Dudelsackmusik, den noch im Schafsmagen befindlichen Haggis zum Rednertisch, wo dann der Hausherr das Gedicht "Adress to a Haggis" vorträgt und dabei den Schafsmagen aufschneidet.

Adress to a Haggis (Robert Burns, 1786)

Fair fa’ your honest, sonsie face,
Great Chieftain o’ the Puddin-race!
Aboon them a’ ye tak your place,
Painch, tripe, or thaim:
Weel are ye wordy of a grace
As lang’s my arm.

The groaning trencher there ye fill,
Your hurdies like a distant hill,
our pin wad help to mend a mill
In time o’ need,
While thro’ your pores the dews distil
Like amber bead.

His knife see Rustic-labour dight,
An’ cut you up wi’ ready slight,
Trenching your gushing entrails bright
Like onie ditch;
And then, O what a glorious sight,
Warm-reekin’, rich!

Then, horn for horn they stretch an’ strive,
Deil tak the hindmost, on they drive,
Till a’ their weel-swalled kytes belyve
Are bent like drums;
Then auld Guidman, maist like to rive,
Bethankit hums.

Is there that owre his French ragout
Or olio that wad staw a sow,
Or fricassee wad mak her spew
Wi’ perfect sconner,
Looks down wi’ sneering, scornfu' view
On sic a dinner?

Poor devil! See him owre his trash,
As feckless as a withered rash,
His spindle shank a guid whip-lash,
His nieve a nit;
Thro’ bluidy flood or field to dash,
O how unfit!

But mark the Rustic, haggis-fed,
The trembling earth resounds his tread,
Clap in his walie nieve a blade,
He’ll mak it whissle;
An’ legs, an’ arms, an' heads will sned,
Like taps o’ thrissle.

Ye Powers wha mak mankind your care,
And dish them out their bill o’ fare,
Auld Scotland wants nae skinking ware
That jaups in luggies;
But, if ye wish her gratefu’ prayer,
Gie her a Haggis!

Immerhin kann ich behaupten, Haggis probiert zu haben. Mein Geschmack war es allerdings nicht. Doch nicht nur das schottische Nationalgericht weicht erheblich vom Inhalt deutscher Speisekarten ab. Wer beim Restaurantbesuch nicht unangenehm überrascht werden will, sollte vor seinem nächsten Schottlandbesuch vielleicht die nachfolgende Auflistung eingehend studieren.

Porridge überwiegend gesalzener Haferbrei
Bacon and Eggs Speck mit Eiern - ein Klassiker
Ham and Eggs Schinken mit Eiern - ebenfalls ein Klassiker
Black Pudding Blutwurst
White Pudding aus Schweinefleisch, Rindernierenfett, Brot und Haferflocken geformte Wurst
Baked Beans weiße Bohnen, gerne in Tomatensauce serviert
Kipper geräucherter Hering - in Deutschland das "Katerfrühstück" schlechthin
Cock-a-Leekie Hühnersuppe mit Lauch und eventuell Backpflaumen
Cullen Skink Cremesuppe mit geräuchertem Schellfisch, mitunter verfeinert mit Zwiebeln und Kartoffeln (ursprünglich bezeichnet skink einen Rinderknochen)
Scotch Broth Gemüsesuppe mit Gerste,auch Graupeneintopf mit Hammelfleisch
Arbroath Smokie Schellfisch, der über Holzfeuer langsam geräuchert wird
Finnan Haddie Schellfischfilets, meist gedünstet und in cremiger Sauce serviert
Salmon Lachs - hierbei sollte man darauf achten, dass Wild Salmon (Wildwasser-Lachs) serviert wird. Lachs wird hauptsächlich gegrillt oder pochiert (poached) angeboten
Trout Forelle - wird auf unterschiedliche Weise serviert
Kail Grünkohl - lange Zeit das Hauptnahrungsmittel der Highlands. Aber auch heutzutage wird er noch in vielen Variationen serviert
Shortbread Kekse aus Hafermehl - an ihnen wird man beim Besuch Schottlands nicht vorbeikommen
Dumpling eine Art Knödel mit Rosinen, wird mitunter auch mit Fleischfüllung serviert

Am 12. August, dem Glorious Twelfth, beginnt in Schottland die Jagdsaison. Nicht verwunderlich, dass insbesondere in dieser Zeit Wildgerichte die Speisekarten beherrschen. Hierbei geniessen Partridge (Rebhuhn) und Pheasant (Fasan) auch bei Kennern einen hervorragenden Ruf.