Mysteries

Schottland ist auch das Land der Geister, Gespenster und ähnlicher mythischen Gestalten, bietet es doch auf Grund seiner mitunter recht blutigen Geschichte genug Motive für rachsüchtige Wesen des Jenseits. Auch wenn ich bislang noch nicht das „Vergnügen“ hatte, diesen Wesen zu begegnen, so möchte ich hier doch einmal klarstellen, dass sämtliche Wahrnehmungen auch der Realität entsprechen und nicht auf übermässigen Whiskykonsum zurückgehen, denn… Schotten lügen nicht!!!

Bei den übernatürlichen Gestalten handelt es sich nicht nur um die „klassischen Gespenster“, Schottland bietet in dieser Hinsicht vielmehr ein recht breites Spektrum. Alle Erscheinungen hier aufzuzählen würde wahrscheinlich meine Homepage sprengen; ich habe stattdessen einmal versucht, eine möglichst repräsentative Auswahl zu treffen.

Neben vielen Besuchern hat Abergeldie Castle auch einen ungebetenen Gast. Hier geht Kitty Rankie (auch French Kate genannt) um. Vor vielen Jahren war sie Angestellte im Schloss, wurde jedoch angeklagt, über Hexenkräfte zu verfügen. Bis zu ihrem Schuldspruch wurde sie auf Abergeldie Castle gefangengehalten. Nach ihrem Schuldspruch wurde sie auf einem in der Nähe liegenden Hügel verbrannt. Ihr unruhiger Geist kehrte jedoch zum Schloss zurück...

In der Ardchattan Priory in Tayside spukt der Geist einer Nonne in den Ruinen des ehemaligen Klosters. Der Legende nach wurde einst eine Nonne aus dem Kilmaronaig Konvent am gegenüberliegenden Ufer de Loch Etive von den Mönchen ins Priorat gelockt und unter dem Boden des Oratoriums versteckt worden. Der Prior entdeckte sie jedoch und liess sie lebendig einmauern…

Auf Ashintully Castle in Tayside gehen sogar 3 Geister um. Der Geist von Crooked Davie, einem Buckligen, findet keine Ruhe. Zu Lebzeiten wurde er von der Familie Spalding, den Lairds of Ashintully, misshandelt und getötet. Des weiteren wandelt eine Green Jean unter den Bäumen auf dem Familienfriedhof hinter dem Schloss. Der Erbschaft wegen wurde sie von ihrem Onkel ermordet. Das Trio komplettiert der Geist eines Kesselflickers. Lediglich wegen unerlaubten Betretens des Grundstücks wurde er von den Spaldings hingerichtet. Vor seinem Tode verfluchte er noch die gesamte Familie und sagte voraus, dass die Familie innerhalb einer Generation aussterben werde. Unnötig zu erwähnen, dass sich die Prophezeiung erfüllte…

Auf Balconie Castle in Five sind am Schloss häufig klagende Töne zu vernehmen. Die Musik stammt von einem Mann, dessen Querflötenspiel einen Oberst einer dort ansässigen Garnison derart störte, dass er kurz entschlossen in den Kerker geworfen wurde. Unglücklicherweise fuhr der Oberst am nächsten Tag nach Dunbar und kehrte erst 4 Tage später zurück. Zu diesem Zeitpunkt war der Mann bereits tot…

Bedlay Castle in der Nähe von Chryston wurde im 12. Jahrhundert als Sitz für die Bischöfe von Glasgow erbaut. Um das Jahr 1350 ereignete sich jedoch ein unnatürlicher Todesfall: Bischof Cameron wurde in einem nahe gelegenen See ertrunken aufgefunden. Da dieser Todesfall nie aufgeklärt werden konnte, geht Bischof Cameron noch heute auf Bedlay Castle um...

Auf Braemar Castle in Grampian erscheint ein Geist, wenn Neuvermählte im Schloss sind, allerdings nur dem Bräutigam. Der Geist geht zurück auf ein junges Paar, welches in viktorianischer Zeit seine Flitterwochen dort verbrachte. Eines Morgens erwachte die Braut, fand ihren Gatten nicht mehr und nahm an, von diesem verlassen worden zu sein. In ihrem Schmerz nahm sie sich das Leben. Tatsächlich war der Bräutigam nur zur Jagd gegangen

Aus den Ruinen von Carleton Castle in Strathclyde sind gelegentlich entsetzliche Schreie zu hören, die der Sage nach von 7 Ehefrauen stammen, welche ein Laird vom Gamesloup Crag stieß. Der Versuch, seine 8. Ehefrau, Mary Cullean, auf die gleiche Weise zu töten, schlug jedoch fehl. Beim Ablegen ihrer Kleider sowie ihres Schmucks gab sie vor, sich zu schämen und bat ihren Mann, sich doch umzudrehen. Als der Laird daraufhin ihrem Wunsch entsprach und sich umdrehte, ereilte ihn das gleiche Schicksal wie seine 7 Ehefrauen zuvor - Trau, schau, wem…

Auf Cawdor Castle in den Highlands geht der Geist eines Mädchens ohne Hände um. Es handelt sich um die Tochter eines Grafen von Cawdor, die gegen den Willen ihres Vaters einem Mitglied eines feindlichen Clans den Hof machte. Als der Graf vom Ungehorsam seiner Tochter erfuhr, sperrte er sie in eine Kammer im höchsten Turm des Schlosses. Die Tochter versuchte, aus dem Fenster zu klettern, um zu fliehen. Der Graf bemerkte jedoch den Fluchtversuch und hackte ihr die Hände, mit denen sie sich am Fenstersims festhielt, mit dem Schwert ab…

Comlongon Castle in Dumfriesshire beherbergt eine Green Lady. Hierbei handelt es sich um den Geist von Marion Carruthers. Durch ihre Familie gezwungen, einen Mann zu heiraten den sie nicht liebte, floh sie zu ihrem Onkel, der auf besagtem Schloss lebte. Als sie sich ihrer ausweglosen Lage bewusst wurde, stürzte sie sich vom Turm des Schlosses in den Tod...

Am 16. April 1746 erlitt Charles Edward Stewart („Bonnie Prince Charlie“) mit seiner Armee von Highlandern im Moor von Culloden in den Highlands eine verheerende Niederlage. Seitdem werden am Himmel Schlachten zwischen Geisterarmeen beobachtet…

In einem alten Zimmer auf Dunrobin Castle in den Highlands geht ein schluchzender Geist um. Es handelt sich um Margaret, die Tochter des 14. Earl of Sutherland. Diese verliebte sich zu Lebzeiten in einen Stallburschen, was ihr Vater nicht akzeptieren konnte. Ausser sich vor Zorn verbannte er den Stallburschen vom Hof und ließ seine Tochter in eine Kammer im Turm einsperren. Die Liebe des Stallburschen war jedoch ungebrochen, sodass er beschloss, seiner Liebe zur Flucht zu verhelfen. Es gelang ihm, ein Seil in ihre Kammer zu schmuggeln, mittels dessen Margaret aus dem Fenster fliehen sollte. Der Fluchtplan wurde jedoch verraten, und der Earl betrat in dem Moment die Kammer, als seine Tochter sich abseilte. Margaret musste erkennen, dass ihre Flucht gescheitert war. Sie zog den Tod einem unglücklichen Leben in der Kammer vor…

Bei Duntrune Castle in Strathclyde konnte man bis vor einigen Jahren eine melancholische Dudelsackmusik hören. Die Musik geht auf einen jungen irischen Piper zurück, der von seinem Hauptmann beauftragt worden war, die Verteidigungsanlagen des Schlosses auszukundschaften. Die zu diesem Zeitpunkt das Schloss bewohnenden Campbells enttarnten jedoch den Spion und sperrten ihn in ein Turmzimmer. Von dort konnte er das Vorrücken „seiner“ Streitmacht sehen. Da ihm bewusst war, dass die Campbells in einer Schlacht obsiegen würden, begann er auf seinem Dudelsack eine Kriegsweise zu spielen, um seinen Hauptmann zu warnen. Über ihre Nachlässigkeit, dem jungen Iren seinen Dudelsack gelassen zu haben, waren die Campbells derart erbost, dass sie ihm zunächst die Finger abschnitten, bevor sie ihn grausam töteten. Für alle Zweifler: Vor circa 100 Jahren wurde ein fingerloses Skelett in den Wänden des Schlosses entdeckt. Nachdem es eine christliche Bestattung erfahren durfte, endete der Spuk...

In der St. Mary-Kirche in Haddington in Lothian haust mit grimmiger Miene der Geist von John, dem ersten Duke of Lauderdale. Er setze mit großem Nachdruck die Gesetze der Covenanter durch, welche mitunter großes Leid über deren Gegner brachten. Dass sein Geist ruhelos ist, lässt sich auch daran erkennen, dass wann immer der Sarg in der Gruft geöffnet wird man den Leichnam in veränderter Lage findet…

Jedes Jahr am 27. Juli ist das Schlachtfeld bei Killiecrankie in Tayside in ein übernatürliches Licht getaucht. Hierbei erscheint ein Geist in Gestalt eines Mönchs in weißer Kutte. Berührungen des Geistes führen innerhalb eines Jahres zum Tode…

Auf Meggernie Castle in Tayside spukt der Geist einer schönen Frau - jedoch in 2 Hälften. Während der Oberkörper in den oberen Stockwerken erscheint, ist der Teil abwärts der Taille im Erdgeschoss zu sehen. Besonders erschreckend ist dabei der Unterleib durch den mit Blut getränkten Rock. Bei der Frau handelt es sich angeblich um die Ehefrau eines Clanchiefs des Clan Menzies, welcher diese in einem Anfall von Eifersucht tötete und die Leiche halbierte, um sie zu verstecken…

In Skene ist in der Silvesternacht eine Kutsche zusehen, die über den See fährt. Der Gutsherr Alexander Skene war angeblich ein Hexer und fuhr regelmäßig mit einer von kopflosen schwarzen Pferden gezogenen Kutsche zum Dorffriedhof, um sich dort die Leichen ungetaufter Babys zu verschaffen. Diese verfütterte er an seine Vertrauten, eine Dohle, einen Falken, eine Elster sowie eine Krähe…

Freunden des Übersinnlichen mag folgende Aufzählung hilfreich sein. Hierbei handelt es sich um landesspezifische Bezeichnungen, deren Quellen mitunter unbekannt sind.

Banshee Ein weiblicher Geist, der als Todesbringer gilt. Ihre in einer unverständlichen Sprache ausgestossenen Klagelaute sind dann in der Nähe des Hauses desjenigen zu hören, der dem Tode geweiht ist.
Baobhan-Sith Blutsaugende Dämonin die als Fee erscheint und es ausnahmslos auf einsame Männer abgesehen hat. Die bekannteste Sage berichtet von vier Jägern, die im Wald ihr Lager aufgeschlagen hatten, als ihnen die Baobhan-Sith erschien. Drei von ihnen liessen sich becircen, während der vierte misstrauisch wurde und sich versteckte. Am nächsten Morgen fand er die anderen Jäger am Lager tot vor - ausgesaugt bis auf den letzten Tropfen Blut.
Bean-Nighe "Wäscherin an der Furt" - Erscheinungsform der alten Todesgöttin Morrigan. Die Bean-Nighe wäscht im Fluss die Rüstungen und Kleider der Krieger, denen der Tod auf dem Schlachtfeld bestimmt war.
Boggart Ein Hauskobold, meistens hilfreich, manchmal aber auch boshaft
Corpse Road / Corpse Way In eher abgelegenen Gegenden mussten die Toten an einen anderen Ort gebracht werden (meistens mit Pferd und Kutsche), welcher über einen Friedhof verfügte. Die Leichenzüge benutzten dabei immer die gleichen Wege, eben die Corpse Roads oder Ways.
Fetch Ein altertümlicher Ausdruck für einen eher freundlichen Geist.
Ghoul Ein Dämon, der auf Friedhöfen lebt und sich von Leichen ernährt.
Gytrash Ein im Norden für den „schwarzen Hund“ verwandter Ausdruck.
Kelpie Ein Wasserwesen mit dem Kopf und dem Hinterleib eines Pferdes, jedoch einem menschlichen Oberkörper. Der Kelpie wird allen Menschen gefährlich, die sich zu nah an ein Gewässer wagen. Mitunter erscheint der Kelpie auch in Gestalt eines normalen Pferdes. Wer jedoch auf seinem Rücken Platz nimmt, ist dem Untergang geweiht, da er vom Kelpie in einen See getragen wird und dort ertrinktt. 
Red Cap Ein bösartiger Gnom dessen Name von seiner roten Kopfbedeckung herrührt die er mit dem Blut seiner Opfer färbt. Trocknet das Blut an der Kappe, muss der Red Cap sich ein neues unschuldiges Opfer suchen. Obwohl er Eisenstiefel trägt, kann er sich wieselflink bewegen. Vornehmlich lebt der Red Cap an Orten, wo schon einmal Blut geflossen ist. Um sich vor ihm zu schützen hilft es nur, aus der Bibel zu zitieren. Heutzutage ist Red Cap in England auch die Bezeichnung für die Militärpolizei.
Silkie Bezeichnung für die „weiße Frau“.