Whisky

Ein Branntwein, in Schottland aus Gerste gebrannt, mit mindestens 43% Alkohol. (Lexikon)

Whisky ist flüssiges Sonnenlicht. (George Bernard Shaw)

Uisghe Beatha - Wasser des Lebens. (Gälisch)

Whisky-Enthusiasten werden wohl vor allem die beiden letzten Definitionen unterschreiben, können auch stundenlang über die Vorzüge des einen oder anderen Single Malt diskutieren. Nicht-Enthusiasten werden sich beim Gedanken an diesen Branntwein wohl mit Grauen abwenden…

Auch wenn die Schritte zur Herstellung des flüssigen Sonnenlichts noch recht übersichtlich sind, so werden Hobby-Schwarzbrenner ohne einen erfahrenen Brennmeister wohl ihre Zeit vergeuden… Wer es dennoch versuchen möchte, bitte folgendes aufmerksam lesen:

Zunächst wird eine qualitativ hochwertige Gerste in Wasser eingeweicht und dann auf dem malting floor zum Keimen ausgebreitet, wobei regelmässiges Umschichten unerlässlich ist. Beim Keimen entstehen Enzyme, welche später beim Maischen für die Umwandlung der Stärke in Zucker nötig sind.

Anschließend gelangt die gekeimte Gerste auf den kiln genannten Dörrboden, auf welchem der Wassergehalt auf 3% reduziert wird. Des weiteren wird der Keimprozess gestoppt und das Malz durch Holz- und/oder Torffeuer aromatisiert. Anschliessend wird die Gerste gemahlen. Das Resultat ist grist.

Das grist wird dann in einem mash tun mit heissem Wasser verrührt. Das hierbei entstehende wort wird abgekühlt und in riesigen wash backs mit Hefe versetzt. Die Hefe wandelt den Zucker in Rohalkohol um, wobei eine Flüssigkeit entsteht, die eher an Bier erinnert und ca. 5-7% Alkohol enthält - das wash.

Jetzt folgt die eigentliche Destillation in den aus Kupfer bestehenden pot stills. Grundsätzlich bestehen diese auch Brennblasen genannten pots aus Kupfer, da dieses Material die für die Desillation günstigste chemische Reaktion ermöglicht. Im ersten Destillationsvorgang entstehen in den wash stills aus dem wash sogenannte low wines mit einem Alkoholgehalt von 23%. Im zweiten Destillationsprozess erhält der spätere Whisky in den spirit stills einen Alkoholgehalt von 70%. Je nach Destillerie besitzen die stills übrigens eine individuelle Form, was bereits Auswirkungen auf Charakter des Whiskys hat.

Das Destillat durchläuft dann den spirit safe, wobei jedoch nur der mittlere Durchlauf, der cut, aufgefangen wird. Dieser cut zeichnet sich durch einen Alkoholgehalt von circa 68% aus. Der erste und der letzte Durchlauf werden dem Destilalltionsprozess wieder zugeführt. Die Entscheidung, ob das Destillat als cut zur Faßabfüllung darf, obliegt dem Brennmeister, einem Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung.

Abschliessend erfolgt eine Lagerung in alten Sherry- oder Bourbonfässern, wobei der Whisky auch seine charakteristische Färbung bekommt. Bei der Lagerung verflüchtigt sich ein Teil des Alkohols, der sogenannte "angels share".

Die meisten Whiskies lagern 8, 12, 15 Jahre oder sogar noch länger. Eine Besonderheit ist eine sogenannte cask strength Abfüllung. Wie der Name schon sagt, weist dieser Whisky in Fassstärke einen Alkoholgehalt von bis zu 60% auf.

Aus der Zeit der Prohibition stammt übrigens der hipflask - der Flachmann. Destillen-Arbeiter zweigten mittels eines Röhrchens aus den Fässern etwas Whisky ab und trugen dieses dann am Körper bei sich. Hieraus entwickelte sich die heute gebräuchliche und etwas ergonomischere Form...

Eine etwas stilvollere Variante Whisky zu geniessen stellt der quaich dar. In geselliger Runde wird dieses Trinkgefäss von Hand zu Hand weitergegeben... ein leider selten gewordenes Ritual. Quaich stammt ursprünglich von em Wort "cuach" ab, was soviel wie "Kelch" bedeutet.

Neugierigen kann ich eine Tour entlang des Malt Whisky Trail mit dem Ausgangspunkt Elgin empfehlen. In Elgin befindet sich die Glen Moray Distillery, deren Mitarbeiter eine wirklich tolle Tour durch die Brennerei anbieten. Ein sausdrücklicher Dank geht an Graham Coull, den Distillery Manager (Foto unten), für die Verköstigung einer cask strength Abfüllung!

Wer nach der Tour auf den Geschmack gekommen ist, kann sich im angegliederten Shop nach Herzenslust bedienen...

Entlang der A 95, der A 939, der A 940 und der A 941 besteht des weiteren die Möglichkeit, einen Abstecher zu den Destillerien von Dallas Dhu, Cardhu, Glenfarclas, Glenlivet, Glenfiddich, Strathisla sowie Glen Grant zu unternehmen. Da sich diese Gegend für eine Tour mit dem Auto anbietet, sollte man aber nicht in jeder Destillerie dem angebotenen wee dram, dem Gläschen Scotch zum Abschied, zusprechen.

Und wer sich mal Gedanken über ein wirklich ausgefallenes Geschenk für einen Whisky-Liebhaber gemacht hat, der mag einmal Richard Paterson in Glasgow einen Besuch abstatten. Richard Paterson ist ein sogenannter Master Blender, d.h. seiner Nase und seinem Gaumen obliegt die ehrenvolle Aufgabe, neue Blends zu kreieren. Für die Kleinigkeit von etwas über 25.000 Pfund ist Richard gerne bereit, sich von einem 62yo-Single-Malt zu trennen...

An dieser Stelle endet dann auch meine kleine Whisky-Exkursion. Ich hoffe, ihr habt etwas Interessantes entdecken können und würde mich freuen, euch mal auf einen wee dram begrüssen zu können...

In diesem Sinne

Slàinthe!